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Konventionell, Bio oder recycelt – welche Baumwolle ist die nachhaltigste?


Eine Hand hält einen Baumwollzweig

Die Hände halten drei Baumwollkapsel

Alles Bio oder wie?! Bio-Baumwolle läuft konventioneller Baumwolle aktuell den Rang ab. Sowohl nachhaltige Mode Marken, als auch Fast Fashion Hersteller setzen inzwischen immer mehr auf Bio-Baumwolle oder verwenden recycelte Baumwolle in ihren Produkten.

Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen den verschiedenen Baumwollarten und was bedeutet Bio in diesem Zusammenhang? Ist recycelte Baumwolle das absolute Ultimum? Wir klären die wichtigsten Fragen und geben dir Tipps worauf du achten solltest, wenn du nachhaltigere Mode tragen möchtest

Wie wird Baumwolle hergestellt?

Baumwolle ist eine reine Naturfaser, die aus dem Baumwollstrauch gewonnen wird. Für die Produktion werden ausschließlich die langen Samenhaare der Früchte genutzt. Der Anbau findet hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gegenden statt.

Nach dem Pflücken werden die Samenhaare von den Früchten getrennt, gewaschen, gekämmt und in Ballen gepresst. In einer Spinnerei werden diese dann weiterverarbeitet zu Garn in unterschiedlichen Dicken bzw. Qualitäten. Das Garn kann nun dazu verwendet werden um alle möglichen Stoffartikel herzustellen, wie z.B. Kleidung, Bettwäsche etc.

Welche Vorteile und Nachteile hat (konventionelle) Baumwolle?

Konventionelle Baumwolle hat einige Nachteile. Für den Anbau werden große Mengen an Wasser verbraucht. Laut der Naturschutzorganisation WWF sind für 1 kg Baumwolle rund 11.000 Liter Süßwasser nötig. Dadurch leiden die Böden, versalzen, trocknen aus, weil der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt. Damit die weltweite Nachfrage nach der Naturfaser gedeckt werden kann, werden entweder viele Pestizide eingesetzt oder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. In beiden Fällen hat dies jedoch negative Folgen auf Umwelt und Mensch.

Ein weiterer Nachteil des konventionellen Baumwollanbaus sind die Arbeitsbedingungen für die Bauern und Baumwollarbeiter. Sie erhalten häufig keinen fairen Lohn, es herrscht Kinder- und Akkordarbeit. 

Neben allen Nachteilen, hat Baumwolle jedoch viele Vorteile, deshalb ist sie so beliebt. Sie ist sehr wiederstandsfähig gegen chemische Stoffe und mechanische Einflüsse. Daneben gilt Baumwolle als besonders hautfreundlich und sie ist einfach zu reinigen. Ihre Hitzebeständigkeit, Reiß- und Saugfähigkeit auch im nassen Zustand und die Tatsache, dass sie atmungsaktiv ist, machen Baumwolle zu einem der meistgenutzten Naturfasern in der Textilindustrie weltweit. Diese Vorteile treffen übrigens auch auf Bio-Baumwolle zu.

Wie wird Bio-Baumwolle gewonnen?

Bio-Baumwolle wird vom Prinzip genauso angebaut wie konventionelle Baumwolle. Die Unterschiede gibt es hauptsächlich in der Anpflanzung und Pflege der Sträucher. So werden für Bio-Baumwolle ausschließlich nicht-genmanipulierte Pflanzen und Samen genutzt. Chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel dürfen nicht eingesetzt werden. Bio-Baumwolle braucht weniger Wasser um zu wachsen. Das liegt vor allem am Einsatz von Naturdünger. Dadurch kann sich eine dickere Humusschicht bilden, die Wasser besser speichert und es nach und nach an die Pflanze abgibt. 

Worin unterscheiden sich Bio-Baumwolle und konventionelle Baumwolle?

Konventionelle Baumwolle Bio Baumwolle
Genmanipulierte Sträucher Fruchtfolge wird beachtet
Einsatz von Pflanzenschutzmitteln & Insektenvernichtungsmitteln Für Unkraut- & Schädlingsbekämpfung werden Hilfspflanzen und Insekten verwendet
Zusätzliche Düngung mit Chemie Düngung nur organisch
Maschinelle Ernte, dadurch können auch überreife oder unreife Samenkapseln geerntet werden Pflücken von Hand sichert die Qualität der reifen Samenkapseln
Hoher Wasserverbrauch Wasserverbrauch wird natürlich gesenkt

Die Punkte für die konventionelle Baumwolle können, müssen aber nicht immer zutreffen.

Neben des Anbaus von Baumwolle, macht es Sinn auch auf die Weiterverarbeitung zu achten. Denn der Anbau alleine sagt nichts über die Herstellung des Shirts oder der Jeans aus. 

Färben, Bleichen und die weitere Verarbeitung des Stoffes können später noch immer völlig un-bio und auch unethisch sein.

Welche Zertifikate und Siegel für Bio-Baumwolle gibt es?

Es ist nicht immer einfach, zu wissen, welche Siegel wirklich für eine ethische und biologische Herstellung von Kleidungsstücken steht. 

Mit der nachfolgenden Auflistung möchten wir einen Überblick über die wichtigsten Textil-Siegel geben.

GOTS - Global Organic Textile Standard

GOTS Logo

Beim Kauf von Produkten mit dem GOTS-Siegel liegst du immer richtig. Dieses Siegel erhalten nur Produkte, die von der Gewinnung bis hin zur Produktion alles richtig machen. Kleidung mit dem Siegel müssen zu mindestens 70% aus zertifizierten Bio-Fasern bestehen, Produkte, die das Gütezeichen "Bio" tragen, müssen zu mindestens 95% aus zertifizierten Bio-Fasern bestehen.

Erfahre mehr über GOTS

NATURTEXIL IVN zertifiziert BEST (IVN BEST)

NATURTEXIL IVN zertifiziert BEST Logo

Dieses weniger bekannte Siegel stellt klar, dass zertifizierte Produkte zu 100% aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen müssen. Die Verwendung von chemischen Mitteln und eventuelle Rückstände in den Produkten ist streng reglementiert. Für die Herstellung darf keine Kinderarbeit eingesetzt werden, auch muss das Recht auf Tarifverhandlungen gelten und Löhne müssen gerecht sein.

Erfahre mehr über NATURTEXIL IVN

bluesign® 

bluesign Logo

Bei diesem Siegel wird ebenfalls auf eine natürliche Herstellung geachtet. So müssen mindestens 90% der Fasern aus zertifizierten Fabriken stammen. Bei diesem Siegel stehen sowohl Natur und Umwelt als auch der Mensch als Arbeiter und Käufer im Mittelpunkt. 

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Cotton Made in Africa

Cotton made in Africa Logo

Bei diesem Siegel handelt es sich um reine Baumwolle, die in Afrika produziert wurde. In erster Linie geht es bei diesem Siegel um einen respektvollen Umgang mit Natur und Mensch. Es handelt sich nicht um ökologische Baumwolle und es dürfen auch Pestizide eingesetzt werden, wobei die Herstellung Kleinbauern vorenthalten ist und diese auch spezifisch angelernt werden, wie sie umweltfreundlicher handeln können und wie der richtige Umgang mit den Chemikalien ist. Kinderarbeit und Zwangsarbeit ist verboten – aber das Siegel sagt schlussendlich nur etwas über die Gewinnung der Baumwolle aus, nicht über die weitere Herstellung des Produkts.

Erfahre mehr über CmiA

FWF - Fair Wear Foundation

Fair Wear Foundation Logo

Hier werden rein die Arbeitsbedingungen betrachtet, sodass zum Beispiel keine Kinderarbeit oder Zwangsarbeit erlaubt sind, gerechte Löhne bezahlt werden müssen oder auch die Arbeitsbedingungen fair sein müssen.

Erfahre mehr über FWF

Fairtrade

Fairtrade Logo

Ähnlich wie das FWF-Siegel liegt hier auch der Standard vor allem bei den Arbeitsbedingungen. Wobei die Produkte auch bei diesem Siegel umweltschonend angebaut, die natürlichen Ressourcen geschützt werden müssen, keine Pestizide oder gentechnisch verändertes Saatgut verwendet werden darf. 

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Organic Content Standard

Organic Content Standard Logo

Bei diesem Label handelt sich um Produkte, die nur zertifizierte Bio-Materialien enthalten. Die ökologische Identität des Produkts bleibt vom Bauernhof bis zum Endprodukt erhalten und jede Stufe der Lieferkette wird von einer unabhängigen Drittpartei geprüft.

Die Standards entsprechen in etwa denen der GOTS-Zertifizierung.

Erfahre mehr über OCS

Öko-Tex 

Öko-Tex Logo

Von Öko-Tex gibt es mittlerweile verschiedenen Siegel, darunter Öko Tex 100 und Öko Tex Made in Green. 

Bei STANDARD 100 by OEKO-TEX® sind alle Materialien auf Schadstoffe geprüft worden. Es gibt zudem verschiedene Produktklassen wie Produktklasse 1 für Baby-Produkte oder Produktklasse 4 für Ausstattungsmaterialien wie Tischdecken oder Vorhänge. 

Bei MADE IN GREEN by OEKO-TEX® handelt es sich um ein Siegel für Produkte, die an sicheren und sozialverträglichen Arbeitsplätzen und in umweltfreundlichen Betrieben hergestellt wurden. Die Textilien sind aus schadstoffgeprüften Materialien hergestellt.

Erfahre mehr über Öko-Tex 

Was sind die Vor- und Nachteile von Bio-Baumwolle?

Vorteile von zertifizierter Bio-Baumwolle

  • hat einen geringeren CO-2 Fußabdruck
  • benötigt weniger Wasser im Anbau
  • schont Äcker und Böden
  • schützt und regeneriert Ökosysteme
  • sorgt für bessere Arbeits- und Sozialbedingungen der Bauern und Plantagen-Arbeiter

Nachteile von Bio-Baumwolle

  • hat einen hohen Wasserverbrauch (aber weniger als bei konventioneller Baumwolle)
  • hat aktuell nur einen weltweiten Marktanteil von nur 0,95%
  • kann im Anbau für den Bauern der umstellen möchte, bis zu drei Jahre dauern (die vergifteten Böden müssen sich erst erholen)
  • ist teurer in der Produktion. Dies spiegelt sich oft im Endverkaufspreis wider
  • als Begriff ist irreführend, da viele Kunden glauben, dass sie damit ein durchweg “gutes” Produkt bekommen. Das muss aber nicht so sein. Nur zertifizierte Produkte bieten eine gewisse Garantie

Wie wird recycelte Baumwolle hergestellt?

Recycelte Baumwolle wird in der Regel aus Textilresten oder Altkleidung hergestellt. Dafür werden die Stoffe zuerst geschreddert, um sie dann zu Garn spinnen zu können. Im nächsten Schritt wird dem recycelten Material meist ein neuer Stoff zugefügt, z.B. Polyester oder Baumwolle. Durch das daraus entstehende Mischgewebe erhöht sich die Qualität des Endprodukts. Oft handelt es sich hier um ein Kleidungsstück. Durch die Verwendung von recycelter Baumwolle, können Ressourcen eingespart werden und es entsteht weniger Müll. 

Welche Vor- und Nachteile hat recycelte Baumwolle?

Vorteile von recycelter Baumwolle

  • Braucht deutlich weniger Wasser für die Herstellung
  • Ist genauso atmungsaktiv und waschbar wie herkömmliche Baumwolle
  • Lässt sich gut mit anderen Stoffen zu einem Mischgewebe kombinieren

Nachteile von recycelter Baumwolle

  • braucht mehr Energie für die Herstellung als herkömmliche Baumwolle
  • ist weniger strapazierfähig
  • wird aktuell häufig aus Qualitätsgründen nur in geringen Mengen in neue Kleidungsstücke beigemischt (der Anteil ist dann weniger als 50%)

Welche Baumwolle ist die Nachhaltigste?

Wer bewusst und nachhaltig einkaufen möchte, der greift am besten zu Produkten aus 100% (zertifizierter) Bio-Baumwolle. Recycelte Baumwolle ist zwar ebenfalls keine schlechte Wahl, sie ist durch die Mischung mit anderen Fasern unter dem Strich aber weniger nachhaltig. Auf konventionelle Bio-Baumwolle solltest du wenn möglich verzichten, da sie im Vergleich zu den beiden anderen Baumwollarten schlechter abschneidet.

Die häufigsten Fragen über Baumwolle

Ist Baumwolle umweltfreundlich?

Nein! Konventionelle Baumwolle wird mit Chemie behandelt, Bio-Baumwolle benötigt ebenfalls sehr viel Wasser (wenn auch weniger als konventionelle) und recycelte Baumwolle benötigt einen hohen Energieverbrauch für den Recyclingprozess.

Ist Baumwolle nachhaltig?

Das kommt darauf an. Bio-Baumwolle und recycelte Baumwolle sind nachhaltiger als konventionelle Baumwolle. Sicher sein, kannst du nur, wenn es sich um zertifizierte Produkte handelt, die mit einem unabhängigen Siegel gekennzeichnet sind. Diese geben dir Anhaltspunkte unter welchen Produktionsbedingungen die Baumwolle bzw. Das Kleidungsstück hergestellt wurde.

Ist Baumwolle recycelbar?

Ja. Baumwolle, wie auch andere Materialien in der Bekleidungsindustrie sind recycelbar. Dafür werden die Produkte zerkleinert und wieder neu zusammengesetzt. Dieser Prozess ist aber mit einem hohen Energieaufwand verbunden. 

Was ist besser GOTS oder Öko Tex?

Wenn du Wert auf nachhaltige Materialien und gute Arbeitsbedingungen, sowie auf nachhaltige Endprodukte legst, solltest du zu GOTS-zertifizierten Produkten greifen.