Nachhaltig Leben – eine kleine Anleitung

Hier erfahrt ihr, was eine nachhaltigere Lebensweise eigentlich bedeutet, und wie ihr diese durch Maßnahmen in eure täglichen Abläufe integrieren könnt.

Im Duden* steht als Definition zu Nachhaltigkeit:

„Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“

Das klingt logisch. Und in bestimmten Bereichen des privaten Lebens haben die meisten von uns dieses Prinzip auch schon verinnerlicht ohne viel darüber nachzudenken. Nehmen wir das Beispiel Finanzen. Hier haben wir verstanden, dass wir nur so viel ausgeben können, wie uns eigentlich zur Verfügung steht.

Bestenfalls haben wir genau im Blick, wie viel Geld nachkommt und kalkulieren dementsprechend unsere Monate. Meistens geben wir sogar bewusst weniger aus, als wir zur Verfügung hätten. Das nennt sich dann sparen. Geben wir allerdings mehr aus, als nächsten Monat bereitgestellt wird, dann machen wir Schulden.

Auf die ökologische Nachhaltigkeit umgemünzt, müssen wir langsam einsehen, dass die Menschheit seit Jahren auf Pump lebt. Wir betrachten unsere natürlichen Ressourcen als unendlich und geben mehr von ihnen aus, als wir eigentlich zur Verfügung haben.

Dieses Verhalten hat verheerende Auswirkungen, auf Menschen, Tiere und vor allem die Umwelt. Wir entziehen uns selbst, aber vor allem den nächsten Generationen, die Lebensgrundlage. Das ist das Gegenteil von nachhaltig und zudem wahnsinnig irrational!

Wenn wir es also in Zukunft nicht schaffen umweltfreundlich zu wirtschaften, wird unsere Erde auf lange Sicht nicht mehr bewohnbar sein. Der Klimawandel ist real. Die Polkappen schmelzen, die Meeresspiegel steigen, der Regenwald brennt, das Artensterben ist weltweit schon jetzt beunruhigend hoch. Die Wüsten breiten sich immer weiter aus und die Meere sind voll von Plastikmüll. Diese traurige Liste ließe sich beliebig fortführen.

Es stellt sich also die Frage, warum können wir im privaten Bereich ökonomisch nachhaltig handeln, wohingegen uns ökologisch nachhaltig zu leben schwerfällt.

Wenn man es lange genug herunter bricht, kommt man zu dem Punkt, dass uns das eine kollektiv bewusst ist und das andere noch nicht. Wir lernen seitdem wir klein sind, mit Geld umzugehen, weil es schon immer eine begrenzte Ressource war. Das wurde uns beigebracht.

Das ökologisch nachhaltige Handeln hingegen ist neu und noch nicht über Generationen in den täglichen Abläufen der modernen Gesellschaft verwurzelt. Zudem spüren wir die negativen Folgen unseres Handelns in den allermeisten Fällen nicht sofort oder direkt.

Was können wir nun aber konkret tun, um umweltfreundlicher und nachhaltiger zu leben?

10 Tipps für einen grüneren Alltag

1. Beim Einkaufen Plastik vermeiden

Einfach einen Stoffbeutel einpacken, um nicht auf Plastiktüten an der Kasse zurückgreifen zu müssen. Käse und Aufschnitt an der Käse- bzw. Fleischtheke kaufen, anstatt in den Plastikverpackungen aus den Selbstbedienungskühlschränken. Nicht die Plastikbeutel benutzen, die teilweise in der Obst- und Gemüseabteilung angeboten werden. In vielen Städten gibt es zudem mittlerweile auch Unverpackt-Läden.

2. Weniger tierische Produkte essen

Die Nutztierhaltung zur Produktion von Fleisch, Milch, Eiern etc. ist besonders Ressourcen intensiv. Insbesondere ist hier der Wasserverbrauch sehr hoch. Zudem ist ein großer Teil der CO2-Emission auf die Tierhaltung zurückzuführen und zum Anbau von Futterpflanzen werden große Flächen des Regenwaldes geopfert. Wenn es denn Fleisch sein soll, empfiehlt es sich Bioprodukte aus der Region zu kaufen. Aber die ohnehin gesünderen und leckeren Alternativen haben eine höhere Beachtung verdient.

3. Regional einkaufen

Wer nachhaltig einkaufen möchte, sollte auf regionale Produkte zurückgreifen. Es macht keinen Sinn, Milch aus Bayern in Schleswig-Holstein zu verkaufen und umgekehrt. Einfach darauf achten, wo die Produkte herkommen. So findet man z.B. Kartoffeln aus Italien oder Knoblauch aus Argentinien in den Gemüseabteilungen. Das muss nicht sein. Wochenmärkte sind gute Alternativen zu Discountern. Dort unterstützt man Unternehmen aus der eigenen Umgebung, die viele regionale Produkte anbieten.

4. Generell weniger konsumieren

Ein nachhaltiger und umweltfreundlicher Lebensstil bedeutet nicht, wie ein Asket leben zu müssen. Doch bevor man sich etwas Neues kauft, lohnt es sich kurz darüber nachzudenken, ob eine Anschaffung wirklich sinnvoll ist. Warum brauche ich etwas? Wozu brauche ich etwas? Was habe ich auf lange Sicht davon? Dies hilft dabei, Anschaffungen und die damit verbundenen Ausgaben vor einer Kaufentscheidung für sich rational einzuordnen.

5. Kleidung länger tragen

Fast Fashion ist ein sehr umweltschädlicher Trend. Die Zeitabstände für neue Kollektionen werden immer kürzer und die Belastungen für die Umwelt, durch den hohen Einsatz von Chemikalien und Pestiziden bei der Herstellung, immer größer. Zudem ist der Wasserverbrauch bei der Herstellung von Kleidung immens. Am ökologischsten ist es, seine Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Beim Kauf unbedingt auf Hersteller von nachhaltiger Kleidung setzen. Wer mehr Fluktuation im Kleiderschrank haben möchte, kann sich auf Tauschbörsen umschauen oder auch Second Hand kaufen.

6. Aufs Auto verzichten

In ländlichen Gebieten ist das natürlich leichter gesagt als getan und meistens gar nicht möglich. Jedoch gibt es in größeren Städten oft Car Sharing Anbieter, die ein eigenes Auto überflüssig machen. Mit dem Fahrrad ist man in der Stadt meistens ohnehin schneller – in der Rush Hour auf jeden Fall. Ergänzend kann dort auch der gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr genutzt werden.

7. Flüge vermeiden

Nachhaltiges Reisen wird uns in Zukunft mehr und mehr beschäftigen. Dass Fliegen teilweise billiger als Bahnfahren ist, wird in der kommenden Zeit nur noch schwer zu vermitteln sein. Durch Videokonferenzen lassen sich Geschäftsreisen generell vermeiden. Für Urlaube heißt es, auf Fernziele zu verzichten und alternative Reiseziele anzusteuern, die mit der Bahn oder dem Auto erreicht werden können. Wer dennoch in den Urlaub fliegen möchte, kann zum Beispiel an Umweltorganisationen spenden und dadurch eine Kompensation erreichen.

8. Leitungswasser trinken

Wasser wird in Deutschland streng kontrolliert und kann bedenkenlos getrunken werden. Dies ist ein gutes Beispiel für nachhaltigen Konsum, da eine Menge Energie eingespart wird, die bei der Herstellung der Flaschen, dem Abfüllen und der Logistik aufgewendet werden muss. Der Plastikmüll durch Einwegflaschen entfällt hier komplett. Für „To Go“ einfach eine Glasflasche oder Thermoskanne nehmen. In zweiterer bleibt das Wasser zudem länger kühl, was gerade im Sommer sehr angenehm ist.

9. Keine Lebensmittel wegwerfen

Die Erzeugung von Lebensmitteln ist aufwendig und verbraucht eine Menge Ressourcen. Wenn diese dann am Ende im Müll landen, ist das eine riesige Verschwendung. Von der moralischen Komponente mal ganz abgesehen. Hier gilt es mit Bedacht einzukaufen und besonders auf Nachhaltigkeit im Alltag zu achten. Ein guter Tipp ist es, sich einen groben Wochenplan zu erstellen, was man in den nächsten Tagen gerne essen möchte und dementsprechend einzukaufen. Meistens kaufen wir ohnehin immer zu viel ein, aber wer hungrig einkaufen geht, wird sich zu Hause wundern, wie die ganzen Sachen im Wagen landen konnten.

10. Anfangen, einen nachhaltigen Lebensstil zu wählen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Nutze deine Motivation und fange einfach an, ökologischer und nachhaltiger zu leben. Jede noch so kleine Geste hilft und stärkt so die Säulen der Nachhaltigkeit. Niemand ist perfekt, also nicht aufgeben, wenn mal wieder die Stofftasche zu Hause vergessen wurde, oder das Brot im Schrank verschimmelt ist. Bleibe am Ball und versuche es nächstes Mal besser zu machen. Die Dinge werden sich mit der Zeit einschleifen und irgendwann muss man nicht mal mehr darüber nachdenken. Und du wirst dich gut fühlen, das sei hier versprochen!

Nachhaltigkeit wird in Zukunft immer mehr in unseren Alltag Einzug halten

Es steht außer Frage, dass wir besser auf unsere Umwelt aufpassen müssen, um sie auf Dauer erhalten zu können. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir gezwungen sein werden unsere Gewohnheiten zu ändern, um dieses Ziel zu erreichen.

Außerdem ist es notwendig unser empathisches Bewusstsein weiter auszudehnen, da die Folgen unseres Handelns meistens nicht unmittelbar uns oder unser direktes Umfeld betreffen, sondern Menschen, die wir nicht kennen, Tiere, die wir noch nie gesehen haben und Regionen, in denen wir noch nie waren.

Wir brauchen ein kollektives Umlernen und Umdenken. Zu Beginn jeder Bewegung, hat irgendjemand mal angefangen. Und je mehr Menschen etwas für sinnvoll erachten, desto größer wird der Zuspruch. Und je länger eine Bewegung überlebt, desto mehr Generationen wird sie erreichen. Irgendwann wird niemand mehr darüber nachdenken nachhaltig zu leben, weil es dann ganz normal geworden ist.

Jeder Einzelne kann etwas tun, ohne sein Leben dafür gleich auf den Kopf stellen zu müssen. Wir brauchen lediglich mehr Achtsamkeit und es bedarf am Anfang eventuell ein bisschen mehr Planung, bis wir unser Verhalten angepasst haben. Aber das sollte es uns Wert sein!