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Minimalistisch Wohnen: eine Schritt-für-Schritt Anleitung


Eine Frau, die sich Gedanken über das Aufräumen macht.

Bringe Ordnung in deine Wohnung und dein Leben.

Minimalismus ist heutzutage kein Fremdwort mehr. Aufräumexpertin Marie Kondo, diversen YouTubern und Buchautoren sei dank. Medial ist das Thema jedenfalls schon umfangreich aufgegriffen und behandelt worden. Doch wo hatte es eigentlich seinen Anfang oder besser gesagt, seine gesellschaftliche Begründung?

Konsumrausch ist gesteuert

Wir leben in einer Welt des Überflusses (zumindest in den Industriestaaten). Wir können alles, was wir zum Leben brauchen sofort und überall kaufen. Sofort. Überall. Alles.

Das klingt zu schön um wahr zu sein, hätten meine Großeltern wahrscheinlich gesagt. Doch Fakt ist, wer alles überall sofort haben kann, der langweilt sich schnell. Und denkt er braucht automatisch mehr. Cooler muss es sein und am besten noch schneller verfügbar. Natürlich ist der Verbraucher nicht alleine Schuld an diesem Dilemma. Die Werbeindustrie hat einen ganz entscheidenden Anteil daran. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Konsumpsychologie teil der Wirtschaftspsychologie. Sie befasst sich mit dem menschlichen Verhalten in Konsumsituationen. Also kurz gesagt: warum wir was wann kaufen. Mit steigendem Wettbewerb und einer größeren Sättigung des Marktes, müssen sich Marketingspezialisten immer bessere Strategien einfallen lassen, damit Verbraucher ihre Produkte oder Dienstleistungen erwerben.

Ich behaupte, dass sich sehr viele Menschen (mich selbst eingeschlossen), schon darüber bewusst sind, dass Werbung uns dazu veranlasst Dinge zu kaufen, die wir eigentlich nicht brauchen. Da es sich aber um eine Manipulation unserer Psyche handelt, ist es nicht so ganz einfach sich dieser vollständig zu entziehen.

Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, was mir eigentlich wichtig ist im Leben, was mich glücklich macht und was nicht. Dabei bin ich zu der Einsicht gekommen, dass es tatsächlich nie materielle Dinge sind, die mir das meiste bedeuten. Zeit mit meiner Familie, Freunden und Kollegen verbringen, Erinnerungen und Eindrücke die ich auf Reisen sammle und Zeiten in denen ich mich kreativ austoben darf, machen mich am glücklichsten.

Deshalb habe ich beschlossen mich von Dingen (und let’s be honest: “Krempel”) zu trennen, die ich nicht brauche, weil ich sie doppelt oder dreifach besitze, sie ihren Dienst getan haben, oder sie mir schlicht die Sicht auf’s Wesentliche rauben. 

In diesem Artikel nehme ich dich mit auf mein Projekt: Minimalistisch Wohnen, inklusive vorher/nachher Bilder.

In diesem Artikel

Meine 5 Gründe für eine minimalistische Wohnung

1. Mehr Balance

Jahrelang dachte ich Chaos ist wichtig um kreativ sein zu können. Was ein Quatsch! Es stresst mich total, wenn mein Schreibtisch in Papierkram ertrinkt, der Küchenabwasch nicht gemacht ist, oder ich die Bügelwäsche von A nach B verlege, weil ich einfach nicht weiß wann ich dazu kommen werde.

2. Mehr Leichtigkeit

Wer viel hat, hat auch große Sorgen. Als ich vor kurzem eine zweimonatige Reise ins Ausland unternommen habe, musste ich leicht packen. Und obwohl ich dachte, dass mir bestimmt viel fehlen wird, habe ich tatsächlich nichts vermisst. Und es war so viel leichter zu entscheiden, was ich anziehen soll. So stelle ich mir das auch bei den Dingen in meiner Wohnung vor.

3. Größere Flexibilität

Ich bin nicht gerne an einen bestimmten Ort gebunden. Zu dieser Überzeugung bin ich zwar erst vor kurzem gekommen, aber sie hat automatisch dazu geführt, dass ich mich gefragt habe was ich dann gewillt bin jedes Mal mitzuschleppen, wenn es heißt Reise oder Umzug.

4. Mehr Geld für Investments

Wenn ich weniger Geld für unnützen Kram ausgebe, dann habe ich mehr zum Sparen und Investieren.

5. Mehr Zeit

Ich hasse putzen und aufräumen. Es war für mich schon immer eine lästige Zeitverschwendung. Ich hoffe mit weniger Dingen, die alle ihren festen Platz haben, fällt es mir leichter Ordnung zu halten und der wöchentlich Hausputz wird schneller gehen.

Warum ich mich für das Marie-Kondo-Prinzip entschieden habe

Marie Kondo ist eine japanische Aufräum-Expertin, die mit ihrem Buch-Bestseller “Magic Cleaning” und der dazu passenden Netflix-Serie weltweite Aufmerksamkeit gewonnen hat. Ihre “Konmari” Methode wurde weltweit von Menschen, die ihre Wohnung ausmisten und unbedingt mehr Ordnung in ihren Haushalt bringen wollten, erfolgreich angewandt. Natürlich ist ihr Weg nicht der einzige den man ausprobieren kann. In unserem Blog-Artikel über Minimalismus haben wir dir die beliebtesten Aufräum-Methoden erläutert. Warum mich die Marie Kondo Methode überzeugt hat? Weil mir die Taktik am sinnvollsten erscheint.

Für die Konmari Methode nimmt man sich die Dinge nach Kategorien vor (und nicht wahllos oder Raum-für-Raum). Dann bildet man einen großen Haufen mit allen Sachen aus der jeweiligen Kategorie und nimmt jedes einzelne Teil in die Hand und stellt sich die Frage ob es einem Freude (!) bereitet. Jap. Freude. Glück. Zugegeben, es war schon etwas seltsam mit dem Toaster in der Hand in meiner Küche zu stehen und mich zu fragen ob er mir echte Freude bringt. Doch tatsächlich dachte ich dann daran, dass er mir leckeres Brot röstet, wenn ich mich Sonntags zum ausgiebigen Frühstück auf meinen Balkon setze. Da musste ich lächeln, denn ich liebe diesen Genussmoment am Ende der Woche. Der Toaster durfte also bleiben. Hätte ich zwei davon gehabt, oder wäre er seit zwei Jahren nicht benutzt worden, hätte die Sache anders ausgesehen.

Nachdem man sich gegen einen Gegenstand entschieden hat, heißt es: wohin damit? Hier geht Marie Kondo nicht ins Detail. Dafür habe ich dir aber am Ende der jeweiligen Kategorie mehrere Optionen aufgelistet. Behältst du das Teil, dann heißt es jetzt einen festen (!) Platz dafür zu finden. Das ist wirklich sehr wichtig, um auch langfristig Ordnung halten zu können.

Man sollte eine gewisse Reihenfolge einhalten, mit der man sich die Kategorien vornimmt. Los geht es mit Kleidung, Schuhen, Accessoires. Hier hat Marie Kondo ebenfalls eine ganz eigene Technik entwickelt, wenn es um das Verstauen von Bekleidung geht. Ihrer Meinung nach, müssten die meisten Klamotten gefaltet werden, anstatt auf einem Bügel im Schrank zu hängen. Ihre Falttechnik hat den Weg in etliche Kleiderschränke gefunden und im Internet gibt es massig Videos, die diese Technik zeigen.

Wer will ich sein? Meine Visualisierung für einen minimalistischen Lifestyle

Eine spannende Sache beim Konmari Prinzip ist die Visualisierung deines ganz persönlichen Lifestyles. Wer möchtest du sein (in deinen vier Wänden)? Klingt etwas komisch dachte ich zuerst, aber dann habe ich das Gedankenexperiment selbst ausprobiert. Zum Hintergrund: Ich lebe allein in einer 2-Zimmer Wohnung, arbeite größtenteils von zuhause aus, koche viel selbst und mache teils meinen Sport daheim. Kurz gesagt: ich befinde mich noch sehr im (unbeabsichtigten) Corona-Quarantäne-Modus. Eigentlich bin ich aber ein sehr geselliger Mensch, der gerne unterwegs ist, sich mit Freunden trifft und Neues ausprobiert. Da passt also schon mal was nicht so gut zusammen. Von meinem neugewonnenen Wunsch nach räumlicher Unabhängigkeit ganz zu Schweigen. Hier also meine aktuelle Vision für einen minimalistischen, nachhaltigen Lifestyle:

Ich habe ganz viel Zeit und Raum für meine kreativen Projekte und im meinem Zuhause gibt es nichts, was mich davon ablenkt. Ich bin viel unterwegs und wenn ich in meine Wohnung komme, ist sie immer aufgeräumt und sauber. Die Ausstattung ist qualitativ und hat Stil, sie passt zu meiner Persönlichkeit. Egal ob ich arbeiten, Sport machen oder kochen will, alles ist immer griffbereit. Für eine spontane Reise packe ich leicht und ohne Sorgen. Zum Entspannen mache ich Kerzen an und meditiere zu sanfter Musik.

In einem weiteren Schritt, soll man sich nun fragen, warum man sich genau diesen Lifestyle wünscht. Dabei sollte man sich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden geben, sondern tatsächlich solange nach dem Warum fragen, bis man feststellt, was einen glücklich macht. Denn das ist der eigentliche Grund für den Wunsch nach mehr Ordnung. Wir wollen happy sein. Die Dinge, die wir besitzen, können uns häufig die Sicht darauf versperren.

Der Raum in dem wir wohnen, sollte für die Person gestaltet sein, die wir jetzt werden, nicht für die Person die wir in der Vergangenheit waren. - Marie Kondo

Für mich sind es ganz klar die Zeit, die ich mit Menschen und meiner kreativen Arbeit verbringen kann. Aber auch ganz einfache Dinge, wie eine gute Tasse Kaffee oder der Spaziergang am Meer. Was auch immer es für dich ist, ich kann dir nur wärmstens empfehlen es dir zu überlegen bevor du deine Wohnung entrümpelst. Denn wie auch Marie Kondo sagt, wirst du mit deiner persönlichen Vision im Kopf ganz anders und viel effektiver Ordnung schaffen, als wenn du aufräumst nur um des Aufräumen willens.

Mein Tipp:

Unsere Wünsche, Visionen und Umstände ändern sich im Laufe unseres Lebens. Sei es durch eine Partnerschaft, den Nachwuchs, oder einen neuen Job. Deshalb ist es hilfreich, das Gedankenexperiment in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. So merkst du frühzeitig, ob du etwas in deiner Wohnung ändern möchtest, damit es wieder zu deinem Lifestyle passt.

Kategorie 1: Kleidung

Minimalistisch Wohnen Vorher: Ein Haufen von Kleidung auf einem Bett.
Vorher: Mein letztes radikales Ausmisten ist erst sechs Monate her (damals gingen zwei blaue Säcke in die Altkleidertonne und eine volle Kleiderstange in den Second Hand Verkauf). Keine Ahnung wieso ich noch immer so viel Zeug habe…

Schritt-für-Schritt Anleitung:

  1. Sammel alle deine Kleidungsstücke zusammen und schmeiße sie auf einen großen Haufen.
  2. Sammel alle Schuhe, Accessoires wie Handtaschen, Gürtel, Schals und Mützen und werfe sie mit auf den Haufen.
  3. Checke die Wäschetruhe, den Keller und die Trockenleine auf Kleidung und füge sie deinem wachsenden Kleiderberg hinzu.
  4. Mache ein Foto von deinem Klamottenberg (sonst glaubt es dir keiner).
  5. Nimm jetzt jedes Teil einzeln (!) in die Hand und frage dich ob es dir Freude bzw. Glück bereitet. Falls Ja: darf es bleiben und auf den “Behalten”-Stapel. Falls Nein: kommt es entweder in eine “Zu verkaufen”-Kiste oder einen “Spenden”-Karton.
  6. Achtung! Einen “Vielleicht”-Stapel gibt es nicht! Du musst hier und jetzt entscheiden was mit dem Teil passiert. Hilfreich: erinner dich an dein Visualisierungs-Experiment und frage dich, ob dein Wunsch-Ich dieses Teil  tragen würde.
  7. Zu beachten: vermeide es Kleidungsstücke in die “Für-Zuhause”-Kategorie einzustufen. Zum einen, weil es einen Grund gibt, warum du es sonst auch nicht trägst (das wird sich daheim nicht ändern). Zum anderen, weil dann dein Kleiderberg nicht wesentlich kleiner wird.
  8. Die Anzahl der Kleidung, die du besitzt ist weniger wichtig, als die Lust und das Glück, das du empfindest, wenn du sie trägst. Vielleicht ist ja auch die sogenannte Capsule Wardobe etwas für dich.

Mein Tipp:

Ein Tipp von Marie Kondo, den ich mir ab sofort zu Herzen nehmen werde: Es spielt eine Rolle für dein Körpergefühl und Selbstbewusstsein, wie du dich Zuhause kleidest. Es dürfen bequeme Klamotten sein, aber vorteilhaft und deine Persönlichkeit unterstreichend sollten sie ebenso sein.

Die richtige Aufbewahrung entscheidet über den langfristigen Erfolg

Bist du durch mit jedem einzelnen Kleidungsstück, stehst du jetzt hoffentlich vor einem wesentlich kleineren Berg. Doch jetzt fängt die eigentlich Arbeit erst an. Denn nur, wenn jedes Teil, das du besitzt, seinen festen Platz erhält, wirst du auch langfristig in der Lage sein Ordnung zu halten. Bei Kleidung ist das Kredo von Frau Kondo, alles zu falten was geht. Das setzt natürlich voraus, dass du ausreichend Stauraum dafür hast. Mein Kleiderschrank hat sehr viele Hängemöglichkeiten, weil ich bügelfaul bin, gerne alles auf den ersten Blick erkenne und sehr viele Kleider, Blusen und T-Shirts besaß. Nach meinem Ausmisten hat sich das entscheidend geändert, sodass ich jetzt wesentlich mehr Platz auf meinen Kleiderstangen habe.

Diese Teile solltest du hängend aufbewahren:

  • Mäntel
  • Jacken
  • Anzüge
  • Kleider
  • Röcke
  • Blusen

Tipps zur Anordnung:

  • Ordne von links nach rechts (stelle dir einen Pfeil vor, der nach rechts zeigt).
  • Ordne nach Kategorien, beginnend mit den “schweren” Stücken, wie Mäntel, Jacken und Kleider. Nach rechts gehend sollten die Stoffe “leichter” werden.
  • Ordne von dunkel nach hell. Also z.B. erst die schwarzen Kleider, dann die bunt gemusterten und dann die pastellfarbenen.

Minimalistisch Wohnen nachher: Ordentlich hängende Kleidung auf einer Kleiderstange.
Nachher: Ordnung im Kleiderschrank - sieht nicht nur schön aus, man findet auch leicht was man sucht.

Die Marie Kondo Falttechnik

Diese Teile solltest du liegend aufbewahren:

  • Unterwäsche
  • Socken und Strumpfhosen
  • Hosen
  • T-Shirts und Tops
  • Pullover

Laut Marie Kondo hat diese Art der Aufbewahrung einige Vorteile. Du schaust dir jedes Kleidungsstück aus der Nähe an wenn du es faltest und kannst dabei immer den aktuellen Zustand überprüfen. Auch soll die Kleidung, bei richtiger Technik, faltenfrei bleiben. Natürlich kommt es auch ein wenig auf deine Verstaumöglichkeiten an. Ich habe zum Beispiel ein festes Kleiderschranksystem an das ich mich anpassen muss (und möchte). Deshalb hängen bei mir einige T-Shirts und Tops, genauso wie Hosen.

Tipp: Saisonale Kleidung

Winterjacken, Wollpullis und Co. solltest du im Sommer besser nicht in die hinterste Ecke deines Schrankes oder gar den Keller verbannen. So vergisst du erstens, was du alles besitzt (und kaufst vermutlich etwas neu, was du eigentlich schon hast). Zweitens, wechselt das Wetter in unseren Breitengraden heutzutage schneller als einem lieb ist. Und drittens ist es Zeitverschwendung zweimal im Jahr um- und auszupacken. Bewahre alle deine Kleidungsstücke gemeinsam auf und vermeide zu viele Kategorien. Verstaue Kleidung grob in Materialarten, wie “Baumwolle”, “Wolle” und “Synthetik”. Verzichte auf Kategorien wie “Für die Arbeit” und “Freizeit”, da diese zu vage sind.

Hier kannst du deine aussortierte Kleidung loswerden:

Verkaufen:

Verschenken:

Kategorie 2: Bücher

Die meisten von uns haben noch gedruckte Bücher im Schrank. Seien das Kochbücher, Romane, oder Sachbücher - alle Leseratten, die älter als 30 sind, werden wissen was ich meine, wenn ich sage: gedruckte Bücher sind toll! Das haptische Erlebnis ist eben etwas Besonderes. Zwar habe auch ich inzwischen viele Werke in digitaler Form (weil es halt praktisch ist), aber ganz ohne Print kann ich auch nicht.

Minimalistisch Wohnen vorher: Viele Bücher in einem Bücherregal.
Vorher: Bücher sind bei mir meist durch die ganze Wohnung verteilt, weil ich sie überall gerne liegen sehe (Ein Relikt meiner allerersten Berufsausbildung in einer Bibliothek). Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Nur die Anzahl möchte ich verringern.

Schritt-für-Schritt Anleitung:

  1. Sammel alle deine Bücher zusammen und werfe sie auf einen Haufen. Falls es zu viele sind um sie alle auf einmal zu sortieren, bilde folgende Kategorien:
    1. Allgemein (Bücher, die du zum Spaß liest)
    2. Sachbücher (Kochbücher, Arbeitslektüren)
    3. Foto- und Kunstbände
    4. Magazine und Zeitschriften
  2. Nimm’ jedes einzelne Buch in die Hand und horche in dich hinein, ob es dir Freude bereitet, ein Glücksgefühl auslöst (aber fang auf keinen Fall an darin zu blättern oder zu lesen, das lenkt nur ab).
  3. Bei Büchern, die du schon ewig hast, aber noch nie gelesen hast: weg damit!
  4. Auch solche, die nur halb gelesen sind und seit einem Jahr darauf warten, dass du sie wieder zur Hand nimmst, sind Staubfänger. Sortiere sie ebenfalls aus.
  5. Es gibt keine bestimmte Anzahl an Büchern, die du haben solltest, aber weniger und dafür besonders geliebt, ist besser als viele und teils nur gemocht.
  6. Schenke deinen Büchern nun einen festen Platz in einem Regal. Bild- oder Fotobände sehen auf einem Couch- oder Beistelltisch nicht nur schön aus, sondern laden auch dazu ein sie regelmäßig zur Hand zu nehmen.

Minimalistisch Wohnen nachher: Einige Bücher in einem Bücherregal.
Nachher: Rund 30 Werke umfasst meine Bücherkollektion in gedruckter Form nun.

Hier finden deine aussortierten Bücher ein zweites Zuhause:

Verkaufen:

Verschenken:

  • Büchereien (vorher unbedingt telefonisch nachfragen)
  • Öffentliche Bücher Abgabestellen (in umgebauten Telefonzellen, im Bus, etc.)

Mein Tipp:

Wenn du dich von etwas nicht trennen kannst, frage dich genau warum du es dir angeschafft hast. Wann hast du es bekommen und was hat es dir damals bedeutet. Beurteile was es dir heute noch wirklich bedeutet. Viele Dinge, die wir besitzen haben ihren Nutzen bereits erfüllt. Sei dankbar dafür und trenne dich von dem Gegenstand. So wirst du am Ende nur noch die Sachen besitzen, die dich hier und heute glücklich machen.

Kategorie 3: Papiere

Ach ja, die ungeliebten Papiere. Ob Rechnungen, Kontoauszüge, Kataloge oder sonstige Papiere, die wir heutzutage immer noch in unseren Schubladen, Aktenordnern und manchmal auch ausgetüfftelten Ablagesystemen anhäufen - 90% davon gehören eigentlich in die Tonne! 

Trotz oder vielleicht auch gerade weil wir uns mitten im digitalen Zeitalter befinden, ist es unglaublich wie viele Unterlagen sich ansammeln über ein paar Jahre. Bei mir verteilten sich etliche Papiere an diversen Orten in meiner Wohnung. Und obwohl ich natürlich überzeugt davon war, dass ich sie unbedingt irgendwann noch brauchen werde, hat sich das fast nie bestätigt. Also: weg damit!

Behalte nur Papiere aus diesen drei Kategorien:

  • Aktuell im Gebrauch (z.B. die Einladung zur Hochzeit, die du noch beantworten musst, oder die offene Rechnung vom Zahnarzt, die bezahlt werden muss)
  • Aufzubewahren für eine begrenzte Zeit (z.B. Steuerunterlagen und Kontoauszüge)
  • Aufzubewahren für immer (z.B. Geburtsurkunde oder Zeugnisse)

Übrigens gehören Erinnerungsdokumente, wie Tagebücher, Briefe und Postkarten, nicht in diese allgemeine Kategorie “Papiere”. Dazu kommen wir erst später. Konzentriere dich jetzt erstmal auf die “langweiligen” Dokumente, die dir zwar keine Freude bereiten, aber die du eben brauchst. Bist du damit fertig, geht es an die bestmögliche Aufbewahrung. Hier habe ich mich tatsächlich gegen Marie Kondo’s sehr radikale Methode entschieden (bei ihr gibt es keine Sortierung nach Themen, sondern nur nach Frequenz des Gebrauchs).

Die richtige Aufbewahrung für deine Papiere:

  • Alle Papiere, die eine aktuelle Handlung von dir verlangen, kommen an einen festen Platz. Das kann ein Ablagefach auf deinem Schreibtisch sein, oder ein Ordner. Ich nutze dafür eine Sortiermappe.
  • Alle Papiere, die du aufbewahren musst, sortierst du grob (!) nach Themen.
    • Wohnen (Miet- oder Kaufvertrag, Strom- und Gasunterlagen, Internet, GEZ, etc.)
    • Finanzen (Steuerbescheide, Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge, Kaufverträge, Arbeitsvertrag etc.)
    • Versicherungen (Kranken-, Renten-, Unfall-, Haftpflicht-, Autoversicherung, etc.)
    • Für den Notfall (die Originale von Geburtsurkunde, Abschlusszeugnis, Hochzeitsurkunde, Versicherungspolicen, Vollmachten, Reisepässe, etc.)
  • Diese vier Themen hat jeder von uns. Daneben kann es natürlich noch 1-2 weitere geben. Das ist bei mir z.B. “Weiterbildung”, für besuchte Kurse und Seminare mit Unterlagen, die ich mir hin und wieder ansehe, und “Selbstständigkeit”, da ich auch freiberuflich arbeite.
  • Ob du Ordner, ein Hängeregister, oder Sortiermappen benutzen möchtest, ist dir überlassen. Vergiss aber nicht, dass jedes Dokument Platz wegnimmt und häufig überflüssig ist. Behalte also wirklich nur, was du tatsächlich brauchst.
  • In Deutschland gibt es für einige Dokumente eine Aufbewahrungsfrist. Bei Gehaltsabrechnungen sind es z.B. 6 Jahre, bei Steuerunterlagen 10 Jahre. Falls du dir unsicher bist, google es am besten bevor du etwas wegschmeißt.

Mein Tipp:

Viele Unterlagen erhalten wir mittlerweile in digitaler Form. Trotzdem kannst du dieses Ordnungs- und Ablagesystem auch hier prima anwenden. Denke immer nur daran, die einzelnen Dateien eindeutig zu benennen, damit du sie direkt auf einen Blick findest. Vermeide aber zu viele Unterordner und natürlich auch hier das speichern von überflüssigen Dokumenten.

Kategorie 4: Kleinkram

Diese Kategorie beinhaltet eine ganze Reihe verschiedener, kleiner Dinge, die sich meist über die Jahre angehäuft haben und worüber wir ganz schnell den Überblick verlieren können. Mein letzter Umzug war vor knapp fünf Jahren und damals habe ich das eine oder andere sowohl aussortiert als auch neu angeschafft. Natürlich in dem festen Glauben, dass ich es brauchen würde. Aber ob Sandwich-Maker, Näh-Set, oder Blu-Ray Sammlung - wenn überhaupt, habe ich die Sachen einmal benutzt, manche sogar noch nie. Es wird Zeit sich von so einigem zu trennen. Am besten geht das - laut Marie Kondo - in folgender Reihenfolge:

  1. CDs und DVDs
  2. Hautpflegeprodukte
  3. Make-up
  4. Accessoires
  5. Wertsachen (Kreditkarten, Schmuck etc.)
  6. Elektronische Geräte und Zubehör (alte Handys, Kabel, Adapter, Fernbedienungen, Speicherkarten, etc.)
  7. Haushalts-Ausrüstung (Näh-Set, Notizblöcke, Stifte, etc.)
  8. Haushalts-Zubehör (Medizinschrank, Haushaltsreiniger, Lappen, etc.)
  9. Küchen Ausstattung und Lebensmittel
  10. Sonstiges

Solltest du viele Dinge haben, die ein bestimmtes Hobby betreffen, dann gehören diese in einen extra Punkt auf der Liste (am besten am Anfang).

Ganz wichtig generell: alle Dinge, die du nicht mehr behalten willst, kommen sofort weg. Nicht in den Keller, nicht in den Umzugskarton auf dem Dachboden, nicht zu deinen Eltern - sondern weg!

Hier wirst du deinen Kleinkram los:

Verkaufen, Tauschen, Verschenken:

Kleingeld gehört ins Portmonnaie!

Münzgeld hat die seltsame Angewohnheit sich in sämtlichen Wohnräumen zu verteilen. Der Euro auf dem Küchentisch vom letzten Einkaufswagen, das Wechselgeld aus der Jeans auf dem Nachttisch, und die Kupfermünzensammlung in der alten Spardose. Schade eigentlich, denn schließlich fehlt es einem unterwegs immer genau dann, wenn man es brauchen könnte. Also, Schluss damit! Jede Münze, die du beim Aufräumen findest, packst du einfach immer sofort in deine Geldbörse und fertig.

Kategorie 5: Kleinkram “einfach nur so”

Ob du es glaubst oder nicht, in diese Kategorie fallen eine ganze Reihe von Dingen, die es sich lohnt auszusortieren. Das liegt meist daran, dass der Grund dafür, dass wir sie noch haben “einfach nur so” lautet. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Geschenke (ungeöffnete, ungewollte, nur-einmal-benutzte)
  • Verpackungen und Umkartons von Handys und Elektronikartikeln (Anspruch auf Garantie hast du in der Regel auch ohne den Karton)
  • Nutzlose Kabel (bei denen du nicht mehr weißt wofür sie eigentlich sind)
  • Ersatzknöpfe (ich hatte eine ganze Kiste voll und habe noch NIE einen gebraucht)
  • Kaputte Fernseher und Radios (sofern irreparabel, bring sie am besten immer sofort zum Wertstoffhof)
  • Gästebettzeug für den Gast, der nie kommt (nimmt jede Menge Platz weg und verstaubt schlimmstenfalls. Kann bei Bedarf auch einfach ausgeliehen werden)
  • Kosmetikpröbchen für die Reise (wann braucht man sie tatsächlich mal? Außerdem ist oft unklar wie lange sie haltbar sind)
  • Dinge von deinem letzten Gesundheitstrip (Abnehmgürtel, Spezialentsafter oder die Bauchtrainer-Maschine - haben ihren Zweck erfüllt indem sie dich glücklich beim Kauf gemacht haben. Jetzt kannst du sie gelassen aussortieren)
  • Gratis-Artikel (der Mini-Ventilator, den es beim Stadtlauf gab, das Gratis-Glas mit Firmenlogo, der noch eingeschweißte und bereits abgelaufene Taschenkalender - benutzt du nie und können deshalb auch weg) 

Kategorie 6: Erinnerungsstücke

Die letzte Kategorie ist gleichzeitig auch die schwierigste. Bestimmte Dinge behalten wir, weil sie uns Freude bereitet haben zu einem vergangenen Zeitpunkt und weil sie uns daran erinnern. Aber brauchen wir tatsächlich Gegenstände, um uns an ein Gefühl zu erinnern? Und wollen wir nicht lieber in der Gegenwart leben und jetzt glücklich sein anstatt Momenten nachzutrauern, die wir sowieso nicht mehr identisch herstellen können? 

Jahrelang habe ich alte Postkarten und Briefe gesammelt. Sie kamen immer schön in einen alten Schuhkarton und dann auf den Schrank. Nicht ein einziges Mal habe ich sie mir wieder durchgelesen, bis zu dem Tag an dem ich sie weggeschmissen habe. Frage dich also ob Erinnerungsstücke dir aktuell noch Freude bereiten oder dich bloß an schöne Zeiten erinnern, die aber längst vorbei sind.

Zu dieser Kategorie gehören:

  • Fotos (ich liebe Fotos, aber in Zeiten von digitalen Fotos muss ich gestehen, dass ich viel zu viele mache, die mir größtenteils gar nichts bedeuten. Solche, die ich liebe, lasse ich entwickeln und klebe sie - ganz altmodisch - in ein schönes Fotoalbum ein oder rahme sie sogar. Alle anderen schmeiße ich weg oder lösche sie)
  • Postkarten und Briefe (der Moment in dem du die Briefe oder Postkarten bekommen hast ist der, der dich glücklich macht. Damit ist der Zweck erfüllt und es kann weg)
  • Alte Bilder und “Kunstwerke” aus Kindertagen (ob es deine eigenen Werke sind oder die deiner Kinder - wenn sie dir nicht in diesem Moment noch Freude bringen und du sie dir hin hängst, dann haben sie ihren Zweck erfüllt)

Wenn wir uns ehrlich fragen warum wir uns von etwas nicht trennen können, gibt es nur zwei Gründe: weil wir an der Vergangenheit hängen oder Angst vor der Zukunft haben. - Marie Kondo

Alles hat seinen festen Platz

Beim Thema Kleidung hatte ich es kurz erwähnt: die richtige Aufbewahrung ist der Schlüssel zum langfristigen Ordnungserfolg. Die oberste Regel lautet: alles hat seinen festen Platz. Wenn du alle Dinge, die du besitzt nach Benutzung immer an die selbe Stelle räumst, kann Unordnung gar nicht erst entstehen. Daneben gibt es aber noch einige weitere sehr gute Tipps, die mir beim Verstauen geholfen haben:

  • Packe neue Dinge sofort aus und entferne die Preisschilder
  • Lagere vertikal anstatt zu stapeln

Zwei vertikale Regale mit Lebensmitteln darin.

  • Die beste Art eine Tasche zu verstauen, ist in einer anderen Tasche (aber nicht mehr als zwei, sonst vergisst du welche du hast)
  • Leere deine Handtasche jeden Tag und verstaue den Inhalt in einer kleinen Box (mega praktisch, vor allem, wenn du öfter die Tasche wechselst)

Box mit Handtaschen-Inhalt drin.

  • Lagere Dinge nicht auf dem Fußboden sondern im Schrank oder Regal
  • Halte die Waschbecken in Küche und Bad frei von Dingen (Shampoo Flaschen, Spülschwämme und Co. räumst du am besten nach jedem Mal benutzen in den Schrank. Klingt erstmal nach mehr Arbeit, ist es aber auf Dauer nicht, versprochen!)
  • Verstaue “ultimativ simpel”. Vermeide komplexe Ordnungssysteme. Dann behältst du auch alles immer im Blick.

Verschiedene Gläser im Küchenschrank sortiert.

  • Bedanke dich bei den Dingen, die du besitzt (okay, es klingt etwas komisch, aber letztlich zeigst du damit dir selbst, Gott, dem Universum (?), dass du zu schätzen weißt, was du hast und liebst. Also warum nicht einfach mal ausprobieren)

FAQs

Was macht Minimalismus mit einem?

Minimalismus führt zu einem leichteren Lebensgefühl. Man fühlt sich nicht mehr so erdrückt von Dingen und dem Druck ständig neue Sachen kaufen zu müssen. Stattdessen hat man mehr Zeit und Geld für die Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten.

Wie viele Dinge besitzt ein Minimalist?

Ein Minimalist besitzt gerade so viele Dinge wie nötig, nicht mehr und nicht weniger. Da das für jeden Menschen unterschiedlich ist, schwankt auch die Anzahl der Dinge von Minimalist zu Minimalist.

Wie wohnt man minimalistisch?

Menschen, die minimalistisch wohnen, besitzen wenige Dinge, die ihnen dafür aber viel bedeuten. Daneben legen sie meist Wert auf Ordnung, klare Linien und Strukturen bei Einrichtung und Design.

Wie nachhaltig ist Minimalismus?

Minimalismus kann, muss aber nicht unbedingt nachhaltig sein. Mit einem wachsenden Bewusstsein für Konsum und Verzicht, entdecken aber viele Minimalisten ihren Einfluss auf die Umwelt. Viele von ihnen fangen daraufhin an nachhaltiger zu leben.

Minimalismus - was braucht man nicht?

Es gibt sehr viele Dinge, die man als Minimalist nicht mehr braucht. Das ist individuell unterschiedlich. Als Faustregel kannst du dir merken: alles, was du nicht regelmäßig nutzt oder was dir Freude (!) bereitet, ist überflüssig und sollte weg.

Fazit

Portrait Foto der Autorin Melina Gammersbach

Als ich anfing diesen Artikel zu schreiben (und parallel meine Wohnung auszumisten), hatte ich ehrlich gesagt nicht auf dem Schirm, was dieses Experiment in mir auslösen würde. Ungenutzte Dinge loswerden, Platz machen, sich freier fühlen, okay, ja, das hatte ich mir erhofft. Aber tatsächlich habe ich festgestellt, dass sich noch viel mehr für mich getan hat. Minimalistisch leben erfordert anfangs eine Menge Arbeit und Überlegungen, aber am Ende lohnt es sich. Mein ganzes Konsumverhalten hat sich verändert. Als ich diese Zeilen tippe, ist gerade mal wieder Amazon Prime Day und wo ich in den vergangen Jahren fast stündlich neue Deals gecheckt habe, lässt mich der Shopping-Rausch dieses Mal kalt. Generell habe ich das Gefühl, dass mein Bewusstsein extrem geschärft ist für die Dinge, die ich konsumiere. Und die Marie-Kondo-Methode scheint sich fest in meine DNA eingebrannt zu haben. Zumindest frage ich mich jetzt ständig: Macht mich das glücklich?